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Sehr
geehrte Frau Präsidentin
sehr geehrter Herr Generalsekretär
liebe Mitglieder der Baha'i-Gemeinde
Ich danke Ihnen für die Einladung, mit Ihnen 100 Jahre Baha'i-Gemeinde
Schweiz zu feiern. Ein solches Jubiläum ist eine Gelegenheit,
die Geschichte nach zu vollziehen sowie Erfolge und Leistungen zu
würdigen. Ich überlasse diese Würdigung Ihnen. Ich
möchte Ihnen allen, die Sie zur Gemeinschaft der Baha'i beitragen,
herzlich zu diesem Meilenstein gratulieren.
Ich gratuliere Ihnen vor allem zu den Ideen, für die Sie kämpfen
und für die Sie sich einsetzen: die Einigung der Menschheit,
den weltweiten Frieden, die Toleranz gegenüber Menschen mit
einem anderen kulturellen, sprachlichen, ethnischen und religiösen
Hintergrund.
Ich bin heute aus drei Gründen gerne zu Ihrer Feier gekommen:
| 1. |
Weil
einer meiner Brüder Ihrer Religionsgemeinschaft angehört.
In vielen Gesprächen mit ihm und seiner Familie habe ich
die Botschaften von Bahaullah kennen und schätzen gelernt.
Mir ist aber auch bewusst, wie schwer Ihre Religionsgründer
für Ihren Glauben zu leiden und zu kämpfen hatten.
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| 2. |
Weil
in Ihrer Religion die Gleichberechtigung von Frauen und Männern
schon immer eine Selbstverständlichkeit war und Sie diese
auch im Alltagsleben verwirklicht haben. Und ...
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| 3. |
weil
ich Ihre Grundsätze teile und Ihren Einsatz für deren
Verwirklichung als unerlässlich auf dem Weg für eine
friedlichere Welt erachte. Insofern bin ich hier auch aus einem
gesellschaftspolitischen Grund. |
Unsere Welt braucht Leute, die den Blick und den Kompass über
die eigenen Grenzen hinausrichten – und mit den Grenzen meine
ich nicht geographische, sondern ethnische, gesellschaftliche und
religiöse Grenzen.
Wir neigen dazu, das, was uns vertraut ist, zum Massstab zu machen
und alles Fremde nicht gelten zu lassen. Das ist gerade dort am
intensivsten, wo unser Innerstes betroffen ist, wo es um Werte und
Verhaltensweisen geht. Dazu gehört auch die Religion. Wie viele
Kriege sind Religionskriege!
Dabei wissen wir nur allzu gut, dass das Bild, das wir uns von Gott
dem Unendlichen machen, völlig begrenzt ist durch unsere sehr
endliche Erkenntnisfähigkeit. Das sollte uns bescheiden machen
und uns davor hüten, die eigene Religion als die einzig wahre
zu verstehen. Der Anspruch einer Religion, alleinseelig machend
zu sein, ist völlig unhaltbar und anmassend. –Denn Gott
hat viele Namen, aber keine Religion! Oder mit anderen Worten: Religionen
sind nur unterschiedliche Wege der Gottsuche.
Was für die Religionen gelten soll, sollte auch für die
Politik in einem demokratischen Staat gelten. Ich empfinde es beispielsweise
als sehr anmassend und unerträglich, wenn eine Partei nur die
eigene politische Meinung als die einzig Richtige hinstellt und
keine anderen Meinungen akzeptiert.
Es geht also sowohl in der Politik wie bei der Religion darum, andere
Meinungen und Überzeugungen zuerst einmal zu respektieren.
Jemanden zu respektieren heisst immer auch, ihn in seiner Situation
ernst nehmen, ihm gegenüber keine Vorurteile zu haben.. Schön
wäre es, wenn alle Religionen so offen und tolerant wären
wie die Baha'i!
Ein Jubiläum ist aber auch dazu da, in die Zukunft zu schauen.
Sie tun dies, liebe Mitglieder der Baha'i-Gemeinde. In Ihrer Vision
zum 100-Jahr-Jubiläum "Die Zukunft
der Schweiz", zeigen Sie eine Perspektive auf, die Perspektive
einer friedlicheren Welt mit einer einigen Gesellschaftsordnung.
Voraussetzung dafür scheint mir zu sein, dass wir es nicht
bei der passiven Toleranz der andersdenkenden und Andersgläubigen
bewenden lassen, sondern dass die Toleranz und der Respekt in Anerkennung
mündet. Goethe hat dies schon vor 200 Jahren gefordert: "Toleranz
sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie
muss zur Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen. Die
wahre Liberalität ist Anerkennung."
Wir anerkennen in der Schweiz verschiedene Sprachen und Kulturen..
Tun wir dies auch mit den Religionen? Die Antwort ist, dass dies
von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt ist. Es gibt vielversprechende
Ansätze, so wie z.B. die Bemühungen im Kanton Zürich
oder hier in Bern die Bemühungen um ein Haus der Religionen,
wo ein Austausch zwischen den verschiedenen Religionen – nicht
nur der Offiziellen Schweizerischen - ermöglicht werden soll.
Diese gilt es weiter zu entwickeln, zu fördern und in die Tat
umzusetzen. Ich weiss, dass Sie hier mit Engagement mitmachen –
und mit Optimismus. Die "Quelle für diesen Optimismus
ist die Überzeugung, dass die Menschen dazu erschaffen sind,
"eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen",
heisst es in Ihrer Vision "Zukunft der Schweiz".
Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Vision Wirklichkeit wird, dass
Sie die Früchte Ihres Einsatzes ernten können.
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