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Wo bleibt der verheissene Friede und das Reich Gottes?

Bahá'u'lláh selbst spricht vom Kommen des Geringeren Friedens (politischer Friede) und des Grössten Friedens. An die Herrscher der Erde gewandt, schrieb er um 1870: "O Könige der Erde... nun, da ihr den Grössten Frieden zurückgewiesen habt, haltet euch fest an diesen, den Geringeren Frieden... Versöhnt euch miteinander, so dass ihr nicht mehr Kriegsrüstungen benötigt, als dem Schutz eurer Gebiete und Länder angemessen ist. Hütet euch, den Rat des Allwissenden, des Glaubwürdigen, zu missachten" (Ährenlese 119:3-4). Und am Abend seines Lebens gab er die Zusicherung: "Diese zerstörerischen Kriege werden aufhören und der Grösste Friede wird kommen." (Gott geht vorüber, S. 220)

Die politische Welt ist heute eine andere als die der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Wirkungszeit Bahá'u'lláhs. Erste konkrete Schritte zur Verwirklichung der Einheit der Menschheit fanden mit der Errichtung des Völkerbundes und der Vereinten Nationen statt. "Das 20. Jahrhundert wurde durch das Hervortreten der Einheit der Nationen (Einheit politisch unabhängiger, souveräner Staaten) ausgezeichnet. Diese Entwicklung... steht in scharfem Gegensatz zu der nationalistischen Grundhaltung des 19. Jahrhunderts und ist ein Beweis des Geistes eines neuen Zeitalters." (Universales Haus der Gerechtigkeit, Brief vom 19.4.01)

Noch sind die Bedingungen für den Frieden nicht erfüllt, die Einheit nicht errichtet, die allgemeine Uneinigkeit und Zerstrittenheit nicht überwunden. Der Weltfriede setzt ein neues Denken und eine Gesellschaftsordnung voraus, in der Gerechtigkeit und Einheit fest begründet sind. Friede wird als deren Frucht in Erscheinung treten. Erst wenn die Menschen den Grössten Frieden als Frucht einer gottgegebenen Ordnung wahrzunehmen beginnen, ist für sie wohl die Zeit gekommen, von Gottes Reich zu sprechen.

 

 

 
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