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Weil
sie sich mit der Veredelung des Charakters und der Harmonisierung
von Beziehungen befasst, diente die Religion schon immer als höchste
Autorität, wenn es darum ging, dem Leben Sinn zu geben. Immer
hat sie Gutes gefördert und Schlechtes getadelt; allen, die
gewillt waren, ihre Augen dafür zu öffnen, erschloss sich
eine Schau bis dahin unausgeschöpfter Möglichkeiten. Durch
ihre Unterweisung wurde die vernunftbegabte Seele ermutigt, die
von der Welt gesetzten Grenzen zu überwinden und zu ihrem wahren
Selbst zu finden. Zugleich war die Religion, wie der Name schon
sagt, die mächtigste Kraft, um unterschiedlichste Völker
in immer grössere und komplexere Gesellschaften zu fügen,
die neue Freiräume für die Umsetzung persönlicher
Fähigkeiten schufen. Die gesamte Menschheit hat derzeit einen
grossen Vorteil. Es ist der Blickwinkel, der es ihr ermöglicht,
diesen Zivilisationsprozess als ein einzigartiges Phänomen
zu erkennen: die immer wiederkehrende Begegnung unserer Welt mit
der Welt Gottes.
Hiervon inspiriert, hat sich die BaháíGemeinde
von Anfang an entschieden für interreligiöse Aktivitäten
eingesetzt. Neben wertvollen Begegnungen, die durch solche Aktivitäten
entstehen, sehen die Baháí im Bemühen verschiedener
Religionen, einander näher zu kommen, eine Entsprechung des
göttlichen Willens für die in gemeinschaftliche Mündigkeit
eintretende Menschheit. Die Mitglieder unserer Gemeinde werden weiterhin
in jeder möglichen Weise helfen. Unseren Partnern bei diesen
gemeinsamen Bemühungen sind wir es jedoch schuldig, klar unsere
Überzeugung darzulegen, dass der interreligiöse Dialog,
wenn er einen echten Beitrag zur Heilung der Leiden, die eine verzweifelte
Menschheit quälen, leisten will, sich nun ehrlich und ohne
weiter auszuweichen der praktischen Bedeutung jener umfassenden
Wahrheit zuwenden muss, die diese Bewegung erst entstehen liess:
dass es nur einen Gott gibt, und dass, jenseits aller Unterschiede
in kultureller Ausprägung und menschlicher Interpretation,
auch die Religion nur eine ist.
Mit jedem neuen Tag wächst die Gefahr, dass die auflodernden
Feuer religiöser Vorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen
Folgen sich niemand ausmalen kann. Eine solche Gefahr können
die Regierungen nicht ohne Hilfe überwinden. Auch sollten wir
uns nichts vormachen: blosse Aufrufe zu gegenseitiger Toleranz können
keinen Hass tilgen, der für sich beansprucht, Gottes Segen
zu besitzen. Diese Krise erfordert von den Amtsträgern der
Religionen einen ebenso entschiedenen Bruch mit der Vergangenheit,
wie er bei der Überwindung der gleichermassen zerstörerischen
Vorurteile der Rasse, des Geschlechts oder der Nation in der Gesellschaft
vollzogen wurde. Wenn Einflussnahme auf Gewissensfragen überhaupt
gerechtfertigt ist, dann nur, um dem Wohlergehen der Menschheit
zu dienen. An diesem grössten Wendepunkt in der Geschichte
der zivilisierten Menschheit könnte nicht klarer sein, was
solcher Dienst verlangt. Die Wohlfahrt der Menschheit,
mahnt Baháulláh, ihr Friede und
ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Einheit fest begründet
ist.
DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
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