Bahá'í Schweiz
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Weil sie sich mit der Veredelung des Charakters und der Harmonisierung von Beziehungen befasst, diente die Religion schon immer als höchste Autorität, wenn es darum ging, dem Leben Sinn zu geben. Immer hat sie Gutes gefördert und Schlechtes getadelt; allen, die gewillt waren, ihre Augen dafür zu öffnen, erschloss sich eine Schau bis dahin unausgeschöpfter Möglichkeiten. Durch ihre Unterweisung wurde die vernunftbegabte Seele ermutigt, die von der Welt gesetzten Grenzen zu überwinden und zu ihrem wahren Selbst zu finden. Zugleich war die Religion, wie der Name schon sagt, die mächtigste Kraft, um unterschiedlichste Völker in immer grössere und komplexere Gesellschaften zu fügen, die neue Freiräume für die Umsetzung persönlicher Fähigkeiten schufen. Die gesamte Menschheit hat derzeit einen grossen Vorteil. Es ist der Blickwinkel, der es ihr ermöglicht, diesen Zivilisationsprozess als ein einzigartiges Phänomen zu erkennen: die immer wiederkehrende Begegnung unserer Welt mit der Welt Gottes.

Hiervon inspiriert, hat sich die Bahá’í–Gemeinde von Anfang an entschieden für interreligiöse Aktivitäten eingesetzt. Neben wertvollen Begegnungen, die durch solche Aktivitäten entstehen, sehen die Bahá’í im Bemühen verschiedener Religionen, einander näher zu kommen, eine Entsprechung des göttlichen Willens für die in gemeinschaftliche Mündigkeit eintretende Menschheit. Die Mitglieder unserer Gemeinde werden weiterhin in jeder möglichen Weise helfen. Unseren Partnern bei diesen gemeinsamen Bemühungen sind wir es jedoch schuldig, klar unsere Überzeugung darzulegen, dass der interreligiöse Dialog, wenn er einen echten Beitrag zur Heilung der Leiden, die eine verzweifelte Menschheit quälen, leisten will, sich nun ehrlich und ohne weiter auszuweichen der praktischen Bedeutung jener umfassenden Wahrheit zuwenden muss, die diese Bewegung erst entstehen liess: dass es nur einen Gott gibt, und dass, jenseits aller Unterschiede in kultureller Ausprägung und menschlicher Interpretation, auch die Religion nur eine ist.

Mit jedem neuen Tag wächst die Gefahr, dass die auflodernden Feuer religiöser Vorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen Folgen sich niemand ausmalen kann. Eine solche Gefahr können die Regierungen nicht ohne Hilfe überwinden. Auch sollten wir uns nichts vormachen: blosse Aufrufe zu gegenseitiger Toleranz können keinen Hass tilgen, der für sich beansprucht, Gottes Segen zu besitzen. Diese Krise erfordert von den Amtsträgern der Religionen einen ebenso entschiedenen Bruch mit der Vergangenheit, wie er bei der Überwindung der gleichermassen zerstörerischen Vorurteile der Rasse, des Geschlechts oder der Nation in der Gesellschaft vollzogen wurde. Wenn Einflussnahme auf Gewissensfragen überhaupt gerechtfertigt ist, dann nur, um dem Wohlergehen der Menschheit zu dienen. An diesem grössten Wendepunkt in der Geschichte der zivilisierten Menschheit könnte nicht klarer sein, was solcher Dienst verlangt. „Die Wohlfahrt der Menschheit“, mahnt Bahá’u’lláh, „ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist“.

DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT

 

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