|
|

Oltner Tagblatt, MITTWOCH, 29. OKTOBER 2008,
STADT/REGION OLTEN
«Sibirien retour – meine Odyssee»
Olten Harald Föhr berichtet über seine Erlebnisse als Kriegsgefangener
Eine 4-jährige Kriegsgefangenschaft nach dem 2. Weltkrieg in Sibirien, die nur wenige überlebt haben – live erzählt vom immer noch «rüstigen» Harald Föhr (83) – das dürfen die Oltner Baha’i für Freitag, 31. Oktober 19.30 Uhr, Marktgasse 19, Olten, ankündigen.
Fast unglaubliche Geschichte
Eine fast unglaubliche Geschichte, die Harald Föhr, ehemaliger Schauspieler und gebürtiger Berliner, zu berichten hat. Der junge Föhr wurde 1943 zur Wehrmacht eingezogen, geriet 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, von wo er unter miserablen Umständen, schlechtem Essen, Kälte, Ungeziefer, und nach lebensbedrohlichen Krankheiten wie Gelbsucht oder Typhus 1949 nach Berlin zurückkehrte.
Dass ein Mensch solche Entbehrungen, seelische Qualen und Krankheiten überleben kann, wenn auch nur knapp, grenzt ans Unfassbare. Föhr ist kein Mensch von Übertreibungen, seine Erlebnisse aber schildert er so spannend, dass ein Abend mit ihm zur Bereicherung wird.
Diese schrecklichen Erlebnisse haben ihn – allerdings erst viel später und nach seinem Bekenntnis zum Baha’i-Glauben – zu einem neuen, tiefgläubigen Menschen werden lassen.
Im Jahre 1990 hatte er nämlich anlässlich eines Besuches der ehemaligen Kerkerzelle von Bahá'u'lláh in Akka/Israel – dem Stifter des Baha’i-Glaubens – eine mystische Erfahrung.
Schweigen gebrochen
Von diesem tiefgeistigen Erlebnis überwältigt, brach er nun das lange Schweigen seit seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft. Harald Föhr konnte plötzlich einen tieferen Sinn seines Leidens erkennen. 1994 kehrte er zum ersten Mal an die Orte früheren Geschehens, nach Sibirien, zurück, um seine Erlebnisse aufzuarbeiten. Medien in Russland berichteten von dieser aussergewöhnlichen Rückkehr. Ein kurzer Video-Ausschnitt – vom russischen Fernsehen gedreht – gibt auch einen optischen Eindruck aus dieser Gegend. (MGT)
Zum Thema «Sowjetische Kriegsgefangenschaft 1941–1956» findet im Völkerkundemuseum in St. Gallen im Winter 2008 eine Sonderausstellung statt.
|
|