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Die
Weltgemeinde kann Rassismus nicht länger dulden. Jeder
einzelne Mensch, jede ethnische Gruppe, jedes Volk ist auf
die Akzeptanz durch alle Erdenbewohner angewiesen, um ein
würdiges, dem menschlichen Potential gemässes Leben
führen zu können. Rassismus kann indessen nicht
einfach wegbefohlen werden;
Rassismus
muss jedes Individuum selber überwinden. Dieser Prozess
ist vielschichtig und mehrstufig. Sicher kommt dabei der Haltung
der politischen Oeffentlichkeit gegenüber Rassismus eine
entscheidende Bedeutung zu.
Die
Bahá'í begrüssen es deshalb, wenn die Schweiz
ihr Strafgesetz in der entsprechenden Weise ergänzt und
zusammen mit den Völkern der Welt den Rassismus ächtet.
Dieser
Schritt allein wird jedoch - obwohl sehr wichtig - nicht genügen.
Jede
Hochreligion lehrt, allen Menschen liebevoll und mit Respekt
zu begegnen. überlegenheitsansprüche, die sich auf
rassische Elemente stützen, entspringen Vorurteilen,
Angst vor dem Unbekannten sowie Wunschdenken und Machtstreben.
Keine Rasse ist einer anderen biologisch überlegen, und
eine entsprechende Anmassung entspricht nicht der geistigen
Natur des Menschen, dessen Ziel edle Taten und geistiger Adel
ist.
Der
politische, wirtschaftliche und kulturelle Austausch zwischen
den Völkern und Nationen bedarf einer neuen Grundlage.
Voraussetzung dazu ist das Bewusstsein der Menschen, in dieser
Welt gleichwertig und gleichberechtigt zu leben - ein Weltbewusstsein,
eine Weltidentität. "Die Erde ist nur ein Land, und alle
Menschen sind seine Bürger", verkündete Bahá'u'lláh,
der Stifter der Bahá'í-Religion, vor mehr als
hundert Jahren.
Seither
hat sich die Wahrheit dieser Aussage immer deutlicher gezeigt.
Darauf hinzuwirken, dass auf dieser Erde alle wie in einem
Lande wohnen können, ist die umwälzende Herausforderung
an die heutige Menschheit. Dabei kommt, über die notwendige
ächtung und Bestrafung rassistischer Verhaltensweisen
und äusserungen hinaus, der interkulturellen Erziehung
in allen Bereichen der Gesellschaft und der geistigen Erziehung
des einzelnen eine herausragende Bedeutung zu.
"Das
Zelt der Einigkeit ist errichtet worden. Betrachtet einander
darum nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes
und die Blätter eines Zweiges".
August
1994
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