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STELLUNGNAHME DER BAHA’I-GEMEINDE SCHWEIZ

Zur HEKS-Fachkonferenz, 21. September 2006 in Bern
Thema: Zwischen Krieg und Frieden:
Die Rolle der Kirchen in Versöhnungsprozessen

Die Frage ist, ob die institutionalisierte Religion, deren Seinsgrund den Dienst am Menschen und am  Frieden fordert, heute noch imstande ist, ihren Beitrag zu leisten, oder ob sie – um eine schmerzliche Tatsache anzuführen – nicht ihre Rolle als Friedensstifterin eingebüsst hat.

Unbestritten ist, dass Religion schon immer als höchste Autorität galt, wenn es darum ging, dem Leben Sinn zu geben und Menschen zu versöhnen. Immer hat sie das Gute gefördert, das Schlechte getadelt und allen, die zu sehen gewillt waren, eine Vision vermittelt von bis dahin unausgeschöpften Möglichkeiten. Wo die sie dem Geist und dem Beispiel der transzendenten Gestalten, die der Welt ihre grossen Glaubenssysteme brachten, treu war, kann jede der grossen Religion eindrucksvoll und glaubhaft Zeugnis ablegen für die Wirksamkeit beim Fördern eines moralischen Charakters. Sie haben in den Menschen die Fähigkeit geweckt zu lieben, zu vergeben, Neues zu schaffen, Grossartiges zu wagen, Vorurteile zu überwinden, für das Gemeinwohl Opfer zu bringen und die Impulse niederer Instinkte zu zügeln.

Wieso also scheint die Religion heute für immer mehr Menschen der ihr innewohnenden Fähigkeit beraubt zu sein, eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Welt und des Weltfriedens zu spielen? Religiöse Zwietracht empfinden Menschen aller Religionen und jenen ohne Religion zunehmend als abstossend. Religiöse Menschen wie auch ihre Führer sind herausgefordert zu klaren Antworten zu gelangen: Wie lassen sich  Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen beilegen und zwar in der Theorie wie in der Praxis? Wie können Menschen unterschiedlichen Glaubens lernen in Frieden zusammenzuleben? Sind die religiösen Institutionen willens, eine grundsätzliche Neuorientierung vorzunehmen und z.B. im interreligiösen Dialog intellektuelle Kohärenz und auch geistige Verbindlichkeit zu zeigen?

„Religion ist das wichtigste Mittel zur Begründung von Ordnung in der Welt und zur Befriedung aller, die darin wohnen“, verkündet Bahá‘u’lláh, der Stifter der Bahá’í-Religion. „Würde die Lampe der Religion verdunkelt, so wären Chaos und Verwirrung die Folge, und die Lichter der Redlichkeit und Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens würden nicht länger scheinen.“ Wollen die Religionen heute ihren friedens-  und versöhnungsfördernden Auftrag erfüllen, müssten sie sich vorbehaltlos, ehrlich und ohne weiter auszuweichen, jener allumfassenden Wahrheit zuwenden, dass es nur einen Gott gibt und dass, jenseits aller Unterschiede in kultureller Ausprägung und menschlicher Interpretation, auch die Religion nur eine ist.„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle“.

Ein Versöhnungsprozess kann nur dann nachhaltig stattfinden, wenn Religionen und ihre Anhänger sich zur Einsicht durchringen können, dass die Erde nur ein einziges Land ist und alle Menschen seine Bürger. Denn, solange die Einheit der Menschheit nicht sicher begründet ist werden Wohlfahrt, Friede und Sicherheit für die Menschen nicht erreichbar sein. Eine unbedingte Anerkennung der Einheit der Menschheit und ein verpflichtendes Engagement zur Durchsetzung von Gerechtigkeit als Gestaltungsprinzip ist die heutige Herausforderung.

NATIONALER GEISTIGER RAT

DER BAHA’I DER SCHWEIZ

Zitate:

Die Verheissung des Weltfriedens, 1986
An die religiösen Führer der Welt, 2002

Bahá’í-Sekretariat, Dufourstrasse 13, CH-3005 Bern    Tel. 031 352 1020

Email: bahai@bluewin.ch      www.bahai.ch

 

 

 

 
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