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100 JAHRE BAHA'I SCHWEIZ
Auf gleich zwei geschichtliche Ereignisse konnte die Schweizer Bahá’í-Gemeinde im vergangenen Jahr zurückblicken. Seit 1903 gibt es in der Eidgenossenschaft Angehörige der Bahá’í-Religion und seit 1953 wird jährlich der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in der Schweiz gewählt, das höchste administrative Gremium der Bahá’í.
Grund genug für die Bahá’í-Gemeinde der Schweiz zu feiern. Neben zahlreichen lokalen Festlichkeiten fand am 23. September in Bern im nationalen Zentrum ein Empfang für Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kunst sowie nichtstaatlicher Organisationen statt. Als Ehrengast nahm Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz am Empfang teil. In ihrer Ansprache gab sie zu erkennen, dass sie mit den Lehren des Religionsstifters Bahá’u’lláh vertraut ist.
Sie sei gerne zur Feier gekommen, meinte die Bundeskanzlerin, „weil ich Ihre Grundsätze teile und Ihren Einsatz für deren Verwirklichung als unerlässlich auf dem Weg für eine friedlichere Welt erachte. Insofern bin ich hier auch aus einem gesellschaftspolitischen Grund.“
Ein weiterer nationaler Anlass fand im Oktober im Kongresszentrum in Interlaken statt. Eingeladen war die schweizerische Bahá’í-Gemeinde und Vertreter der europäischen nationalen Institutionen. Insbesondere aus Italien war eine Delegation angereist. Die Schweizer Bahá’í fühlen sich sehr verbunden mit ihrer italienischen Schwestergemeinde, da bis 1962 die beiden Länder eng zusammenarbeiteten. Noch heute findet ein regelmäßiger und enger Kontakt mit Italien statt. Vor allem die Bahá’í im Tessin pflegen diesen Kontakt über die Landesgrenzen hinaus.
Zum Wochenende in Interlaken waren rund 450 Personen angereist. Hier erwartete sie ein lebhaftes wie auch informatives Programm zur Geschichte des Bahá’í-Glaubens in der Schweiz, aber auch ein Feuerwerk an Musik und anderen künstlerischen Darbietungen, dargeboten von Kindern und Jugendlichen bis zu den ältesten Mitgliedern.
WIE ALLES BEGANN
Die erste dokumentierte Erwähnung der Bahá'í-Religion respektive der ‚Bábí-Religion’, wie sie zu Beginn noch genannt wurde, geht auf das Jahr 1852 zurück, als Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung, Tribune de Genève und Corriere della Sera von den Bábí-Massakern in Persien berichteten. Die ersten in der Schweiz wohnhaften Anhänger waren Edith McKay (1879-1959), eine französisch-amerikanische Frau, und ihr Schweizer Ehemann Joseph de Bons (1871-1959), ein Zahnarzt aus dem Kanton Wallis. Die Familie lebte mit ihrer Tochter Mona (später Haenni-de Bons) in Sion.
Die ersten Anhänger in der Schweiz legen Zeugnis dafür ab, dass sie ihre Religion immer auch als gesellschaftsverändernde Kraft angesehen haben. Der Meditation folgte immer auch die Aktion. So gründete 1919 Lady Blomfield (1859-1939), die während eines Teils des Jahres in Genf lebte, den "Blomfield-Fund" in enger Zusammenarbeit mit Eglantyne Jebb und deren "Save the Children-Fund“. Dieses Projekt kann mit Recht als Vorläufer der wachsenden sozialen und wirtschaftlichen Programme angesehen werden, die in der Welt mit Unterstützung der Bahá'í – individuell oder kollektiv – und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder Regierungen durchgeführt werden. Blomfield unterstützte Jebb tatkräftig beim ersten Gesetzgebungsakt des Völkerbundes, der "Erklärung von Genf“, in der zum Schutz von Kindern in Kriegsgebieten aufgerufen wurde.
Eine weitere Persönlichkeit der frühen Geschichte der Schweiz ist Fritz Semle (1896-1996). Sein Kinderheim „Morgensonne“ in Wolfhalden/AR kann ebenfalls als Vorläufer der Projekte zur sozialen Entwicklung angesehen werden, die von der internationalen Bahá'í-Gemeinde in der ganzen Welt unternommen werden.
Unter den bemerkenswertesten Figuren der ersten Jahre ist aber zweifelsohne August Forel (1848-1931) zu erwähnen, der bekannte Psychiater, Entomologe und Sozialreformer, dessen Bild die alte 1000 Franken-Note lange Zeit zierte.
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